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Wiener Klassik voller Spielfreude
Orchester der Philharmonischen Gesellschaft zurück in der Kaiserpfalz
PADERBORN (WV). „Endlich wieder zuhause!“ - Mit diesen Worten begrüßte Nils Gronemyer, Vorsitzender der Philharmonischen Gesellschaft Paderborn, die Besucher des Konzerts am Samstagabend, 14. Juni, in der gut besetzten Kaiserpfalz.
Während der Ausstellung „775 - Westfalen" hatte das Orchester auf andere Spielstätten ausweichen müssen. Dr. Gronemeyer dankte des-halb ausdrücklich dem Theater Paderborn und der Abdinghofgemeinde für ihre Gastfreundschaft in dieser organisatorisch herausfordernden Zeit.
Unter der versierten Leitung von Thomas Berning widmete sich das Orchester der Philharmonischen Gesellschaft Paderborn an diesem Abend Werken von Wolfgang Amadeus Mozart und Joseph Haydn. Als Solistin war erneut die Cellistin Olivia Jeremias zu Gast.
Den Auftakt bildete Mozarts Ouvertüre zur Oper „La finta giardiniera“ KV 196. Die heitere und temperamentvolle Musik nimmt die Stimmung der Oper wirkungsvoll vorweg. Mit ihrer Leichtigkeit, ihrem Charme und den lebendig gespielten Kontrasten eröffnete sie das Konzert auf überzeugende Weise.
Im Mittelpunkt des ersten Konzertteils stand anschließend Joseph Haydns Konzert Nr. 2 für Violoncello und Orchester in D-Dur, eines der bedeutendsten Werke des klassischen Cellorepertoires. Das Konzert verbindet musikalische Eleganz mit hoher Virtuosität. Im Solopart fordert Haydn technische Meisterschaft durch rasante Läufe, Triolen-Kaskaden, Doppelgriffe und Passagen in ungewöhnlich hohen Lagen.
Olivia Jerernias meisterte diese Herausforderungen mit beeindruckender Souveränität und musikalischer Ausdruckskraft. Dabei überzeugte nicht nur ihre technische Brillanz, sondern auch ihr sensibles, empathisches Musizieren. Eindrucksvoll gelang auch die meisterlich gespielte Kadenz im 1. Satz. Ebenso gelungen war die Abstimmung zwischen Solistin und Orchester, das aufmerksam und ausgewogen begleitete.
Für den langanhaltenden Beifall des Publikums präsentierte die Cellistin als Zugabe das „Lux aeterna" aus dem „Requiem für Cello solo“ (1979) des australischen Komponisten Peter Sculthorpe. Die von liturgischer At-mosphäre geprägte Musik verlangte der Solistin mit gleichzeitigem Pizzicato- und Bogenspiel hohe spieltechni-sche Fähigkeiten ab und bil-dete einen nachdenklichen Kontrast zur klassischen Klangwelt Haydns.
Nach der Pause erklang Haydns Ouvertüre zu „Philemon und Baucis“, ursprünglich Teil einer Marionettenoper aus dem Jahr 1773. Die Oper erzählt die antike Legende des alten Ehepaars Philemon und Baucis, das verkleideten Göttern Gastfreundschaft gewährt und dafür belohnt wird.
Während Mozarts „La finta giardiniera“ ein weltliches Beziehungsgeflecht schildert, erscheint Haydns Werk als mythologisches Gleichnis über Tugend, Demut und Respekt. Das Orchester gestaltete die Ouvertüre als dreiteilig veranlagtes Werk mit Spielfreude und klarem Gespür für ihren erzählerischen Charakter.
Den Abschluss des Konzerts bildete Haydns Sinfonie Nr. 65 in A-Dur. Das Werk entstand in der Zeit seines Wirkens am Hof von Fürst Esterhazy und vereint bereits die Energie des „Sturm und Drang“ mit der formalen Klarheit und Perspektive späterer Sinfonien Haydns.
Besonders eindrucksvoll gelang das Andante des zweiten Satzes. Mit fein abgestufter Dynamik und großer musikalischer Tiefe entwickelte das Orchester eine ausdrucksstarke Klangatmosphäre. Auch das Menuett überzeugte: Anstelle eines gefälligen Tanzsatzes präsentierte sich dieser Satz rhythmisch raffiniert, voller überraschender Akzente und metrischer Verschiebungen, die vom Ensemble präzise und lebendig umgesetzt wurden.
Durch das gesamte Programm hindurch war die große Spielfreude von Orchester, Solistin und Dirigent spürbar. Entsprechend herzlich fiel der Schluss-Applaus des Publikums aus.
aus: Westfälisches Volksblatt, Paderborn, 16. Juni 2026, Text und Foto von Hermann Knaup

