Kontakt - Philharmonische Gesellschaft Paderborn e.V.

Solist lässt bei Konzert in Paderborn seine Klarinette jubeln und singen

Zum Tag der Deutschen Einheit hört das Paderborner Publikum Klassik von Wolfgang Amadeus Mozart und Louis Spohr.

Solist lässt bei Konzert in Paderborn seine Klarinette jubeln und singen

PADERBORN (NW). Die Philharmonische Gesellschaft Paderborn pflegt die Tradition zum Tag der Deutschen Einheit mit einem abendlichen Festkonzert in der stets ausverkauften Kaiserpfalz. Unter der bewährten Leitung von Domkapellmeister Thomas Berning spielt das in allen Partien hervorragend besetzte Orchester der Philharmonischen Gesellschaft, bestens eingestimmt für die Aufführung sinfonischer Werke von Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791) und Louis Spohr (1784-1856).

Als feierlich, heroisch, königlich gilt die Tonart C-Dur, in seiner letzten Oper „La clemenza di Tito, die Gnade des Titus“ beginnt Mozart in dieser Tonart mit kraftvollen Akkorden die Ouvertüre. In fünf Minuten bewegter Orchestermusik stellt Berning die Gefühle des römischen Kaisers Titus eindrucksvoll dar, der am Ende Vergebung und Milde höher bewertet als Rache und Strafe.

Geboren noch zur Mozartzeit, erlebte der Geiger Louis Spohr die Wiener Klassik und arrivierte in der Frühromantik mit seinem kompositorischen Schaffen. Als renommiertem Dirigenten waren ihm Erfindung und Einsatz des Taktstocks zugeschrieben, eine schillernde Persönlichkeit im damaligen Musikbetrieb. Er verfasste etwa 300 Musikstücke, darunter für Johann Simon Hermstedt, den berühmten Klarinettisten seiner Zeit, mehrere Solokonzerte.

Im Jahr 1810 entstand das Konzert für Klarinette und Orchester Nr. 2 in Es-Dur op. 57. Ein ausgreifender Allegro-Satz steht am Anfang, der die technischen Möglichkeiten des Klarinettenspiels eindrucksvoll verdeutlicht. Als Interpreten konnte die Philharmonische Gesellschaft Jochen Tschabrun gewinnen, seit Jahren Soloklarinettist im Sinfonieorchester des Hessischen Rundfunks. Mit Schwung bereitet Berning die orchestrale Einleitung, gewürzt mit lebhaften Klarinetteneinwürfen, dann erfreut Tschabrun die Zuhörer mit gewagten Intervallsprüngen und rasanten Läufen.

Nach dem rhythmischen Feuerwerk fließen gefühlvolle Melodien aus dem Soloinstrument, auch sensible Passagen im Wechselspiel mit dem Orchester meistert Tschabrun souverän. Ein tiefer Soloeinsatz mit Streicherbegleitung charakterisiert den besinnlichen zweiten Satz, oft auch auf der Bassklarinette gespielt. Flöte und Fagott bitten zum Dialog mit weitgespannten Motiven, die Hörner rufen nach neuen Bewegungen im Kontrast zu sanftem lyrischem Klarinettenklang.

Die Spielfreude wächst im Rondo alla polacca, Paukenschläge markieren den flotten Tanzrhythmus, der Solist stellt ein dominantes Thema vor, das Orchester antwortet mit Leidenschaft. Nach 20 Minuten endet das kompakte Konzert, Tschabruns virtuoses Spiel hinterlässt einen nachhaltigen Eindruck von der Vielseitigkeit seines Instruments, das Publikum dankt mit begeistertem Applaus. Nicht wegzudenken ist die Klarinette in der ungarischen Musik. Der Klarinettist Béla Kovács komponierte 1970 eine „Hommage à Zoltán Kodály“, heitere und nachdenkliche musikalische Impressionen. Zum Abschied mit Blumen lässt Tschabrun seine Klarinette noch einmal jubeln und singen.

Nach der Pause geht es weiter in königlichem C-Dur, seine letzte große Sinfonie Nr. 41, KV 551, schuf Mozart im Jahr 1788, in finanzieller Not und gesundheitlich angegriffen. Dafür gelang ihm ein Werk, dem später für seine Perfektion und Stringenz der Beiname „Jupiter-Sinfonie“ gegeben wurde, als konkurrenzlos göttliche Musik. Berning eröffnet den ersten Satz „Allegro vivace“ in zünftigem Tempo, entwickelt eine energiegeladene Grundstimmung gegenüber poetischen Abschnitten von Flöten, Oboen und Fagotten. In abwechslungsreichen Figuren zusammengesetzt, zerlegt und neu kombiniert, ergibt sich ein feinsinniger Höreindruck, Präzision und Systematik in der Durchführung kennzeichnet die gesamte Orchesterarbeit.

Sehr zurückhaltender Streichereinsatz im „Andante cantabile“ präsentiert eine zu den Holzbläsern gleitende Melodie, die durch halbtonartige Veränderungen immer spannender erscheint. Der dritte Satz beginnt mit einer zierlich eleganten, abwärtsgerichteten Streichermelodie, als Menuett von Paukenschlägen rhythmisch unterstützt. Leider erlaubt die schallharte Akustik und Sitzordnung in der Kaiserpfalz in manchen Passagen nicht die Wahrnehmung eines ausgewogenen Klangbildes, starke Trompeten, Pauken und Kontrabass überstrahlen die filigranen Streicher und Holzbläser.

Auch im vierten Satz „Molto allegro“ spielt das Orchester der Philharmonischen Gesellschaft in Hochform, mit einer Steigerungsfuge führt Thomas Berning zum Höhepunkt, gleichzeitig werden alle Themen und Motive von den Orchestergruppen zu einem grandiosen Schluss verdichtet, von den Besuchern mit ausgiebigem Beifall belohnt.

aus: Neue Westfälische, Paderborn, 5. Oktober 2026, Text und Foto von Gunther Gensch


Zurück zur Übersicht