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Ein Konzertauftakt voller Energie

Philharmonische Gesellschaft Paderborn eröffnet in der voll besetzten Kaiserpfalz die neue Saison

Ein Konzertauftakt voller Energie

PADERBORN (WV). Mit einer festen Tradition beginnt die Philharmonische Gesellschaft Paderborn alljährlich ihre Konzertsaison: Am Tag der Deutschen Einheit stand das Eröffnungskonzert der Saison auf dem Programm.

Auch in diesem Jahr erklang in der voll besetzten Kaiserpfalz zunächst die gemeinsam gesungene Nationalhymne. Anschließend er-öffnete das Orchester unter der ambitionierten Leitung von Thomas Berning den konzertanten Teil des Abends.

Das Programm setzte auf zwei Komponisten, deren Werke auf unterschiedliche Weise Zuversicht und Energie ausstrahlen: Wolfgang Amadeus Mozart und Louis Spohr. Zwischen Klassik und früher Romantik spannte sich dabei ein musikalischer Bogen, der vor allem durch die mitreißende Begegnung von Orchester und Solist einen prägnanten Akzent setzte.

Den Auftakt machte Mozarts Ouvertüre zu seiner späten Oper „La clemenza diTito" (1791). Das Auftragswerk zur Krönung Leopolds II. zum König von Böhmen erzählt von der Milde und Größe des römischen Kaisers Titus gegenüber Feinden, Intrigen und Verrätern.

Die kurze Ouvertüre verlangt vom Orchester vor allem Präzision und einen klaren, festlichen Zugriff. Dies gelang überzeugend: Die Musiker ließen Mozarts dramatische Musik majestätisch und zugleich konzentriert erklingen.

Zum musikalischen Höhepunkt des ersten Konzertteils wurde anschließend Louis Spohrs Konzert für Klarinette und Orchester Nr. 2 Es-Dur op. 57 aus dem Jahr 1810. Spohr, damals ein bedeutender Violinist und als Hofkapellmeister in Kassel tätig, steht mit diesem Werk an der Schwelle zwischen Klassik und Romantik. Die Komposition verbindet melodischen Einfallsreichtum mit hoher spieltechnischer Brillanz - und verlangt sowohl dem professionellen Orchester als auch dem Solisten einiges ab. Jochen Tschabrun erwies sich dabei als souveräner Solist. Mit großer klanglicher Differenzierung und bemerkenswerter technischer Beweglichkeit lotete er die vielfältigen Möglichkeiten seiner Klarinette aus. Dabei blieb die Virtuosität stets Mittel des musikalischen Ausdrucks und geriet nie zum Selbstzweck.

Das Orchester nahm die Spielfreude des Solisten auf und entwickelte unter Thomas Berning motivierendem Dirigat einen lebendigen Dialog mit ihm. Für den begeisterten Applaus bedankte sich Jochen Tschabrun mit der Zugabe „Hommage á Zoltan Kodaly“ des ungarischen Komponisten Béla Kovács.

Nach der Pause folgte mit Mozarts Sinfonie Nr. 41 C-Dur KV 551, der „Jupiter-Sinfonie“, ein Meilenstein der klassischen Sinfonik. Das 1788 in gerade einmal 16 Tagen entstandene Werk gehört zu Mozarts bekanntesten instrumentalen Kompositionen und beeindruckt bis heute durch seine formalen Besonderheiten und seine kompositorische Dichte. Thomas Berning entschied sich für zügige Tempi und eine differenzierte dynamische Gestaltung. Besonders überzeugend war dabei der Mut zur Zurücknahme. Gerade in den leisen Passagen entwickelte das Orchester eine spürbare Spannung, die sich immer wieder in kraftvollen Steigerungen entlud. So wurden auch die komplexen musikalischen Strukturen des Finales, insbesondere die kunstvoll miteinander verflochtenen Fugenpassagen transparent und nachvollziehbar.

Berning Interpretation lenkt den Blick zudem auf zahlreiche kompositorische Feinheiten, die bei einer eher pauschalen, durchgehend kräftigen Lautstärkegestaltung leicht verloren gehen können. Das Orchester präsentierte Mozarts „Jupiter-Sinfonie“ damit nicht als bloßes Monument, sondern als lebendige, kluge und vielschichtige Komposition.

Am Ende dankte das Publikum den Musikern mit langanhaltendem Beifall. Die Philharmonische Gesellschaft Paderborn ist damit überzeugend in ihre neue Konzertsaison gestartet.

aus: Westfälisches Volksblatt, Paderborn, 7. Oktober 2026, Text Hermann Knaup


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